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Geschichte

33 Jahre am Faden

Eifeler Marionettentheater "De Strippkes Trekker" feiert Jubiläum
Als vor nunmehr 33 Jahren die erste Marionette im Franziskus-Internat Vossenack in Hürtgenwald das Licht der Welt erblickte, dachte noch niemand an ein Marionettentheater, geschweige denn an ein Ensemble und an Zuschauer. Doch genau die erste Figur am Faden war es, die die Begeisterung der Jungen in der Unterstufe des Internates entfachte.
Am 3. März 1980 entschloss sich dann eine Gruppe von Jungs mit ihrem Leiter, dem Franziskanerbruder Wolfgang Mauritz, ein kleines Marionettentheater zu gründen.
"De Strippkes Trekker" (Die Strippenzieher) sollte dieses Theater heißen, denn der Franziskaner kommt aus Meerbusch vom Niederrhein. So war ein Bezug zu seiner Heimat gefunden und ein Brückenschlag von dort zur Nordeifel hergestellt. Allen Unkenrufen der Mitbrüder zum Trotz hatten die Puppenspieler um Bruder Wolfgang schnell Erfolg. Moralische Unterstützung von Seiten der Internatsleitung tat ein Übriges dazu. In kurzer Zeit entstanden Figuren, wurden Kulissen gebaut, sogar die erste Bühne wurde in der Klosterschreinerei erstellt.

Wo Jugendliche sind, kommt auch schnell eine wohlwollende Verwandtschaft zusammen, um den Jungen und ihrem Spiel mit dem Medium Marionette Applaus zu spenden. Genau diesen Applaus und diese Anerkennung brauchte das Ensemble von damals - nämlich 14 Jungen und ein Franziskaner -, um neue Inzenierungen auf die Bretter der kleinen Theaterwelt zu bringen. Ein orientalisches Märchen, eine englische Kriminalkomödie, biblische Geschichten, ein Gauklerzelt, Dr.Faust, Rumpelstilzchen, ein Varietéprogramm, ein Unterwassermärchen und nicht zuletzt der Klassiker von Antoine de Saint Exupéry "Der kleine Prinz" entstanden unter den Händen der begeisterten Puppenspielerinnen und Puppenspieler.

Alles wird selbst gebaut, komponiert, gesungen, bemalt und installiert. Im Laufe der Zeit wechselten schulbedingt die Besetzungen, kamen neue und auch ältere Spieler hinzu, wurde aus einem anfänglich kleinen Publikum ein begeisterter, immer größer werdender Publikumsstrom. Unter der Mitwirkung des Marionettentheaters gibt es jährlich ein großes Figurentheater-Festival. Die Aufführungen sind meist ausverkauft. Immer noch ist das Theater am Franziskusinternat angesiedelt, es hat sogar seit Jahren einen eigenen kleinen Theaterraum - den "Palazzo Puppazi" -, eine funktionale Werkstatt, die Künstlerklause sowie ein kleines Theatercafé in seinen Räumen.

Wenn man die Besucher und Zuschauer fragt, was denn so attraktiv an dieser Form von Theater sei, warum sie denn in die Eifel fahren, um Puppentheater anzuschauen, wo sich doch nun wirklich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, sprudeln viele von ihnen vor Begeisterung nur so über. Es sei die tolle Atmosphäre, es sei das Erlebnis von unsichtbaren Akteuren hinter dem Vorhang, die den Figuren so natürlich und mit einer Leichtigkeit Leben einhauchen, dass man augenblicklich die Fäden vergisst.
Es ist sicher auch oft das Zusammenspiel zwischen Mensch und Marionette, was im "Kleinen Prinzen" besonders anschaulich wird. Für einige Zuschauer ist es genau dieses poetische Erleben der unterschiedlichen Inszenierungen, das sie immer wieder nach Hürtgenwald-Vossenack kommen lässt. Längst ist das Theater auch mit einer Reisebühne unterwegs. Wirkt bei Katholikentagen mit, spielt in Pfarrheimen und für Kulturämter, ist Preisträger des Fritz-Wortelmann-Preises der Stadt Bochum und bekam 1999 den Bürgerpreis der Gemeinde Hürtgenwald. Das Spiel mit der Marionette bleibt nicht einseitig auf den Puppenspieler bezogen. Die zurzeit 15 Marionettenspieler im Alter zwischen 15 und 56 Jahren sind auf ein Publikum angewiesen, das inspiriert und mitträgt. Die Atmosphäre im Zuschauerraum muss hinter dem Vorhang spürbar werden, es muss knistern vor Erwartung und Anspannung, dann erst kann der Funke überspringen und die Figuren an den Strippen werden Groß und Klein, Alt und Jung in ihren Bann ziehen.

33 Jahre gibt es nun schon die "Strippkes Trekker" . Bruder Wolfgang ist immer noch der Prinzipal des Ensembles. Ganze Schülergenerationen bedienten schon die filigrane Aufschnürung der Marionetten, liehen den Puppen ihre Stimme, waren Fachleute für Musik- und Lichtanlagen - Generationen von Figurenspielern werden noch folgen - ein Ende dieses Theaters ist nicht abzusehen.

Br. Wolfgang Mauritz. ofm